Manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, um zwei nach vorne zu machen. Ducati wirft den bewährten 937er-Motor über Bord und implantiert der DesertX für das Modelljahr 2026 ein völlig neues Herz. Weniger Hubraum, aber radikal weniger Gewicht. Ist die neue „DesertX V2“ endlich der KTM-Killer, auf den wir gewartet haben?
Als ich die ersten Datenblätter der 2026er DesertX sah, musste ich zweimal hinschauen. Ducati spricht von einer massiven Diät. Wir alle liebten die „alte“ DesertX für ihren Dakar-Look und das stabile Fahrwerk, aber seien wir ehrlich: Wenn sie einmal im Schlamm lag, brauchte man einen guten Chiropraktiker. Das soll jetzt vorbei sein. Mit dem neuen 890 ccm V2-Motor (bekannt aus der neuen Panigale V2) zielt Bologna nicht mehr auf die schweren Reise-Enduros, sondern direkt auf die agile Mittelklasse.

Der Motor: Weniger Hubraum, mehr Charakter?
Der Abschied vom 937er Testastretta fällt schwer, er war ein Drehmoment-Büffel. Der neue 890er V2 mit variabler Einlasssteuerung (IVT) leistet weiterhin rund 110 PS, aber die Charakteristik hat sich verändert. Er dreht freier, aggressiver. Dank der IVT-Technologie (Intake Variable Timing) soll das Drehmomentloch im unteren Bereich gestopft sein. Im Sattel fühlt sich das Agreggat spritziger an – weniger Traktor, mehr Rallye-Bike.
Redakteur-Tipp: Wer vom alten Modell kommt, wird sich umstellen müssen. Der neue Motor will etwas mehr Drehzahl im Gelände, belohnt dafür aber mit einer fast telepathischen Gasannahme. Für technisches Enduro-Wandern ist das ein riesiger Vorteil.
Fahrgefühl: Die Leichtigkeit des Seins
Das ist der Punkt, an dem die 2026er DesertX glänzt. Mit einem Trockengewicht weit unter 200 kg (fahrfertig ohne Benzin ca. 206 kg) wirkt sie im Vergleich zur Vorgängerin wie ein Mountainbike. Das Einlenken auf Schotter? Spielerisch. Sprünge? Das Fahrwerk schluckt sie weg, ohne dieses „schwere Aufschlagen“ der alten Dame. Das neue Chassis nutzt den Motor als tragendes Element noch konsequenter, was Steifigkeit bringt, aber eben auch Kilos spart.

Ausstattung 2026: Digitaler Wüstensand
Natürlich packt Ducati wieder alles an Elektronik rein, was das Regal hergibt:
- 6 Fahrmodi: Darunter die exzellenten Enduro- und Rally-Modi, die das ABS am Hinterrad deaktivieren.
- Neues Display: Das vertikale 5-Zoll-TFT (im Rallye-Tower-Stil) wurde überarbeitet und bietet nun eine noch bessere Ablesbarkeit im Stehen.
- Turn-by-Turn Navigation: Endlich nahtlos integriert, ohne ständige Verbindungsabbrüche (hoffentlich!).
Der Konkurrenz-Check
Kann die Italienerin jetzt die Österreicherin schlagen?
Feature | Ducati DesertX (2026 – V2) | KTM 890 Adventure R | Yamaha Ténéré 700 World Raid |
Motor | V2 (890 ccm) | R2 (889 ccm) | R2 (689 ccm) |
Leistung | ca. 110 PS | 105 PS | 73 PS |
Gewicht (fahrfertig) | ca. 215 kg* | 215 kg | 220 kg |
Sitzhöhe | 875 mm | 880 mm | 890 mm |
Fahrwerk | KYB (voll einstellbar) | WP XPLOR | KYB |
Preis (Basis DE) | ca. 17.500 €* | ca. 16.499 €* | ca. 13.699 €* |
*Preise sind geschätzte UVP zzgl. Nebenkosten für 2026. Gewicht DesertX inkl. Benzin geschätzt auf Basis der Gewichtsreduktion.
Was sagt uns das? Die Yamaha ist und bleibt der Preis-Leistungs-Sieger für Puristen. Aber im Duell Ducati vs. KTM herrscht nun Waffengleichheit beim Gewicht. Die Ducati punktet dabei mit dem emotionaleren Motor und dem schöneren Design („La Dolce Vita“ im Dreck).

Für wen ist die neue DesertX?
- Für Ästheten im Matsch: Du willst das schönste Bike im Bivak haben, aber auch wirklich damit fahren.
- Für Ex-KTM-Fahrer: Dir war die 890er zu „kantig“ und „nervös“? Die Ducati bringt italienische Eleganz in die Hard-Enduro-Klasse.
- Nicht für: Sparfüchse. Mit Zubehör (Sturzbügel, Koffer) knackt man schnell die 20.000-Euro-Marke.
Fazit: Mathias Kalbs Meinung
„Ducati hat Mut bewiesen. Anstatt die DesertX nur neu zu lackieren, haben sie ihr das größte Problem genommen: das Übergewicht. Die 2026er DesertX V2 ist nicht mehr nur ein gut aussehendes SUV auf zwei Rädern, sie ist ein echtes Sportgerät geworden. Der neue Motor mag etwas von der bärigen Souveränität des alten 937ers verloren haben, aber die gewonnene Agilität macht das dreifach wett. Das ist die beste Offroad-Ducati aller Zeiten.“
Bewertung: 9.0 / 10
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