BMW S 1000 RR (2026) im Test: Der Schnell-Macher

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Geschrieben von Mathias Kalb

Zurzeit besitze ich zwei Motorräder: einen Honda ADV-Roller für den Alltag und eine Kawasaki Ninja 1000 zum Beschleunigen am Wochenende.

Sie ist der Maßstab. Nicht, weil sie die Exotischste ist. Und auch nicht, weil sie die Teuerste ist. Sondern weil kein anderes Superbike auf diesem Planeten dich so einfach so verdammt schnell macht. Die BMW S 1000 RR geht 2026 in die nächste Runde – mit mehr Flügeln, neuen Farben und dem alten Versprechen: Perfektion aus Prinzip. Ist sie mittlerweile zu perfekt, um noch aufregend zu sein?

Als ich die Boxengasse verlasse und den Quickshifter bei 12.000 Touren durchlade, passiert es wieder. Dieses Paff-Paff-Paff aus dem Auspuff, mechanisch, präzise wie ein Maschinengewehr. Die S 1000 RR schreit dich nicht an wie eine Ducati, sie klingt eher wie eine wütende Popcorn-Maschine auf Steroiden. Und genau das liebe ich an ihr.

Im Modelljahr 2026 hat BMW der „Doppel-R“ den Feinschliff verpasst, den eigentlich nur Profis spüren – aber von dem wir Hobby-Piloten alle profitieren.

Fahrgefühl: Die Playstation unter den Superbikes

Das Erste, was dir auffällt: Sie passt. Egal ob du 1,70m oder 1,90m groß bist, die Ergonomie der BMW ist ein Mysterium. Man sitzt im Motorrad, nicht oben drauf wie bei der Aprilia RSV4. Das Einlenken? Telepathisch. Die serienmäßigen Winglets (jetzt in der Version 3.0 mit bis zu 23 kg Downforce bei 300 km/h) sorgen dafür, dass das Vorderrad auch über Kuppen am Boden klebt wie Kaugummi.

Redakteur-Tipp: Lasst die elektronische Fahrwerkseinstellung (DDC) auf der Landstraße im Modus „Road“. Im „Dynamic“-Modus wird sie so straff, dass sie euch auf deutschen Flickenteppich-Straßen die Plomben aus den Zähnen schüttelt. „Road“ bügelt alles weg und bietet trotzdem genug Feedback für Knie-schleifende Schräglagen.

Der Motor: Dr. Jekyll & Mr. Hyde

Das Herzstück bleibt der 999ccm Reihenvierzylinder mit ShiftCam-Technologie. Und das ist der eigentliche Cheat-Code dieses Bikes.

  • Unter 9.000 U/min: Die Einlassnockenwelle schaltet auf „Drehmoment“. Die RR fährt sich handzahm, ruckelfrei durch die Stadt, fast wie ein Tourer (na gut, ein sehr sportlicher Tourer).
  • Über 9.000 U/min: Klick. Die Nockenwelle verschiebt sich, die Ventilöffnungszeiten ändern sich, und die Hölle bricht los. Die 210 PS (154 kW) reißen an der Kette, dass dir Hören und Sehen vergeht. Dieser Übergang ist mittlerweile so glattgebügelt, dass man ihn kaum spürt – man sieht ihn nur am Tacho, der Ziffern überspringt.

Was ist neu 2026?

Keine Sorge, ihr müsst eure 2024er RR nicht sofort verkaufen. Aber die Details machen den Unterschied:

  • Aero-Update: Die Winglets wurden überarbeitet (ähnlich der M 1000 RR), um noch mehr Stabilität beim Anbremsen aus High-Speed zu generieren.
  • Optik: Das klassische „Light White“ ist Geschichte. Die Basis kommt jetzt im aggressiven Racing Red. Wer es edel will, greift zum „Blackstorm Metallic“ oder investiert ins M-Paket für die typischen Motorsport-Farben.
  • Elektronik: Der Lenkwinkelsensor für den Brake Slide Assist ist jetzt noch feiner kalibriert. Das System erlaubt dir, kontrolliert in die Kurve zu driften – etwas, das früher nur MotoGP-Göttern vorbehalten war. Jetzt macht es die Elektronik für dich. Fast schon gruselig.

Der Konkurrenz-Check

Im Jahr 2026 lichtet sich das Feld der straßenzugelassenen 200-PS-Monster. Die Yamaha R1 gibt es nur noch als „Race“-Version ohne Zulassung. Bleibt das Duell mit Italien.

Feature
BMW S 1000 RR (2026)
Ducati Panigale V4 (2026)
Kawasaki ZX-10R
Motor
4-Zylinder Reihe (ShiftCam)
V4 (Desmosedici Stradale)
4-Zylinder Reihe
Leistung
210 PS @ 13.750 U/min
216 PS @ 13.500 U/min
203 PS @ 13.200 U/min
Gewicht (fahrfertig)
197 kg (M Paket: 193,5 kg)
ca. 198 kg
207 kg
Sitzhöhe
832 mm
850 mm
835 mm
Preis (Basis DE)
ab 20.890 €*
ab 28.190 €*
ab 21.595 €*

*Preise sind UVP zzgl. Nebenkosten. Achtung: Eine „volle“ BMW mit M-Paket kostet schnell 26.000 €+, bleibt aber günstiger als die Basis-Ducati!

Was sagt uns das? Die Ducati ist emotionaler, lauter und stärker – aber sie kostet einen Kleinwagen mehr. Die Kawasaki ist in die Jahre gekommen. Die BMW bietet das beste Preis-Leistungs-Verhältnis für Rundenzeiten-Jäger.

Für wen ist die S 1000 RR?

  • Für Trackday-Helden: Du willst ankommen, Reifenwärmer drauf und sofort schnell sein, ohne das Fahrwerk drei Jahre lang studieren zu müssen.
  • Für Technik-Nerds: Du stehst auf 6,5-Zoll-TFTs, Connectivity und Menüs, in denen man sich verlieren kann.
  • Für den Alltag (ja, wirklich): Heizgriffe, Tempomat und Hill-Start-Control machen sie zum einzigen Superbike, mit dem man auch mal entspannt zur Arbeit pendeln kann.

Sie ist nicht für dich, wenn du „Charakter“ mit „Vibrationen und Unzulänglichkeiten“ verwechselst. Die BMW ist klinisch perfekt. Manchen ist das zu steril.

Fazit: Mathias Kalbs Meinung

„Die BMW S 1000 RR (2026) bleibt der ‚Schweizer Taschenrechner‘ unter den Superbikes. Sie löst jedes fahrerische Problem mit deutscher Ingenieurskunst. Sie macht dich zu einem besseren Fahrer, als du eigentlich bist. Ja, der Panigale V4 dreht sich jeder hinterher, weil sie klingt wie der Weltuntergang. Aber wenn wir ehrlich sind: Auf der Stoppuhr – und erst recht im Geldbeutel – gewinnt am Ende meistens die BMW. Ein Meisterwerk der Nutzbarkeit.“

Bewertung: 9.0 / 10

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